GegenStand Innsbruck, Sieglinde Schauer, Monika K. Zanolin

Ausführliche Projektbeschreibung von Gegenstand

Umfang

– Fotoausstellung im öffentlichen Raum mit Präsentation des Fotobuchs
– mobile Ausstellung der einzelnen Bilder
– Ausstellung in einer Galerie

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kurze Beschreibung

Publikationen
Fotografien-Shootings

Beschreibung

Das interaktive und performative Fotoprojekt mit Titel „GegenStand“ ausgeführt vom Kollektiv*Knitterfrei  mit Monika K. Zanolin, Fotografin, in Kooperation mit Sieglinde Schauer, Reitlehrerin, reflektiert deren persönliche und künstlerische Auseinandersetzung mit Umwelt- und sozialen Themen. In der Ausstellungsreihe im öffentlichen Raum, Alltags- und Kunsträumen sowie in einem Fotobuch werden die spezifischen Perspektiven der Künstlerinnen durch die einzelnen GegenStände markiert, thematisiert und zur Disposition gestellt.

Die einzelnen GegenStände
In einer skulpturalen Performance verbindet sich Sieglinde Schauer mit ihrem Körper, den Füßen oder Händen mit einem Ort bzw. Gegenstand und tritt auf diese Weise mit ihrer Umgebung in Interaktion. Monika K. Zanolin setzt diese Begegnung fotografisch um. So entstehen jeweils unterschiedliche Skulpturen, die als „GegenStände“ festgehalten werden.

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Motive auf dem Stadtleben in Innsbruck in Zusammenhang mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt. So können etwa ein unachtsamer Umgang der Tourismusindustrie mit (un)berührter Natur ebenso thematisiert werden, wie die ungetrübte Lebensfreude an deren Schönheit. Artgerechte Tierhaltung ist insbesondere für Sieglinde Schauer als Reitstallbetreiberin ein wichtiger „GegenStand“. Zum Spektrum der sozialen Themen zählen u.a. Feminismus, Normativität und Altern, Behinderung und Armut. Alle behandelten Themen sind in Innsbruck alltäglich präsent, brisant und liegen den Künstlerinnen persönlich am Herzen.

Der Zugang liegt dabei mehr im Hinweisen als im Anklagen. Oft wird auch die mögliche Lösung eines Problems aufgezeigt, wo ein stimmiges Maß zwischen Unberührtheit und Erschließung von Landschaftsräumen sowie von Freiheit und Kultivierung oder Regulierung von sozialen Räumen schon erreicht ist.

Die Figur des „GegenStands“ deutet dabei wie ein Wegweiser, wie eine Merkstelle, ein Lesezeichen, auf einen „Aussichts-(Stand-)punkt“ und lädt zum Verweilen ein. Nicht nur um aufzufordern thematisch teilzunehmen, sondern manchmal auch der Schönheit der Umgebung selbst willen.

Veröffentlicht werden sollen großformatige, exklusive und limitiert gedruckte Fine-Art-Prints hinter Glas, ein Fotobuch oder Ausstellungskatalog sowie Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften. Den Höhepunkt des Projekts bildet eine Ausstellung im öffentlichen Raum mit der Präsentation des Fotobuchs bez. Katalogs.

Innsbruck-Bezug

Ein Innsbruck-Bezug wird im Projekt einerseits über die Locations der Fotoshootings sowie der zentralen Ausstellung des Projekts hergestellt, andererseits über die thematische Verknüpfung signifikanter Gegen­Stände der Stadt in Zusammenhang mit ihrer (natürlichen und sozialen) Umwelt.

Fotografiert werden GegenStände in Innsbruck und Umgebung, in Tirol und einige über die Landesgrenzen hinaus. Auch das Ausstellungskonzept positioniert Innsbruck als Mittelpunkt und Ausgangsort.

Innsbruck verbindet Urbanität und Natur durch seine geografische Lage, wo Naherholungsgebiete und Bergbahnen schon innerhalb der Stadtgrenzen ihren Anfang nehmen. Die (Be-)Nutzung der Natur für die „Tourismus-Industrie“ zeigt deutliche Eingriffe in die Landschaft und das Sozialleben der InnsbruckerInnen. Zunehmend beginnt das lebensbereichernde Neben- und Miteinander Natur/Mensch mit einem Gegen­einander zu verschwimmen. Was die Künstlerinnen als Gegeneinander empfinden wird mit einem GegenStand markiert.
In sozialer Hinsicht entwickeln sich vermehrt – oder vermeintlich? – Gegenpole, wie Verlierer und Gewinner. Innsbruckbezogen wird zum Beispiel das „Freihalten“ der Stadt von Obdachlosen und Bettlern für das schöne touristische Postkartenbild Innsbrucks thematisiert, aber auch die Verdrängung der Stadt­bewohnerInnen, wenn sich Infrastruktur im Stadtzentrum zunehmend nach den Bedürfnissen der Touristen richtet. Auch Plastikmüll wird mit einem GegenStand markiert, denn bei Nächtigungszahlen von mehr als eineinhalb Millionen Gästen in der Landeshauptstadt, ganz zu schweigen von den insgesamt an die 50 Millionen Nächtigungen pro Jahr in ganz Tirol entstehen Unmengen an Müll.

Erste feministische Sujets wie „Denkmal mit Frau“ und „Fest des Lesens und der Bücher“ wurden bereits veröffentlicht.

Ausstellungsreihe

Auftakt und Zentrum in Innsbruck

Den Auftakt der Ausstellungsreihe bildet eine Vernissage im öffentlichen Raum in Innsbruck, vorzugsweise am Vorplatz des Haus der Musik. Abgesehen von geladenen Personen soll damit auch PassantInnen Gelegenheit geboten werden, spontan an der Veranstaltung teilzunehmen. Musikalische Beiträge im Stil von (Straßen-)MusikerInnen könnten das ungezwungene Beisammensein bereichern.

Am Tag der Ausstellungseröffnung in Innsbruck werden mit den Bildern auch die Themen der GegenStände in die Stadt hineingetragen – und mit der Übergabe der Bilder an temporäre AusstellerInnen teilweise wieder – ausgehend von Innsbruck über die lokalen, regionalen und vielleicht sogar über die Landesgrenzen – hinausgetragen. Als Experiment soll versucht werden, die einzelnen Bilder wie Samen auszustreuen und es den wechselnden BesitzerInnen zu überlassen, wie ein Wind fruchtbare Orte für die Auseinandersetzung mit den GegenStänden zu finden.

Reflexionen als physische und semantische Spiegelungen

Die Ausstellungsbilder werden hinter stark reflektierendem (Plexi-)Glas aufgezogen. Dadurch wird das Bild des GegenStandes unablässig von Teilen der Umgebung mit ihren Personen flüchtig visuell überlagert. Die Bilder werden auf einfache Ständer gestellt. Am Vorplatz zum Haus der Musik können sich Teile der Spiegelungen der Ausstellungsbilder in der Fassade des Konzerthauses und auch im Bild selbst wiederholen, ebenso spiegeln sich die BetrachterInnen vor dem Bild.

Die mobile, interaktive Ausstellung

Die Dauer der Ausstellung zieht sich über ein Jahr. Sie beginnt mit der Vernissage in Innsbruck, in der alle Bilder gezeigt werden. Ein Programmpunkt der Feier ist es, jedes Bild leihweise einer vorher bestimmten Person oder Institution zu übergeben. Diese sollen das Bild für den Zeitraum von zwei Monaten ausstellen, in Orten wie Cafés, Praxen, Kliniken, Schulen, Museen, Galerien oder auch privaten Wohnräumen. Die Ausstellungsbilder werden kostenlos verliehen.

Die Privatperson bzw. verantwortliche Person fotografiert das Bild vor Ort und schickt das entsprechende Foto zur Dokumentation an das Kollektiv*Knitterfrei. Nach Ablauf von zwei Monaten entscheidet die jeweilige/der jeweilige BesitzerIn selbst, an wen und wohin das Bild weiterverliehen wird und wo es weitere zwei Monate ausgestellt werden soll. Jedes Bild wird von dem Katalog aller Ausstellungsbilder mit Texten begleitet.

Das Kollektiv*Knitterfrei dokumentiert das Experiment, die Bilder physisch als großformatige Fotografien aus der Hand zu geben und ihre Wegspuren digital auf der Website zu verfolgen.

Mit Checkpoints auf einer Landkarte wird online www.zanolin.eu/gegenstand/ die Fährte der Bilder dokumentiert. Am neuen Standort wird das Foto hochgeladen, das die/der neue BesitzerIn vor Ort fotografiert hat. Das Projektteam erhofft sich, dass die Bilder auf diese Weise regelrecht auf Europa- oder gar auf Weltreise gehen und von Innsbruck ausgehend vor Ort wirken und somit Orte, Bilder, Menschen, Themen und Texte in Verbindung bringen.

Vernissage 02 (eigentlich Finissage) als Abschluss der mobilen Ausstellung in Innsbruck

Nach Ablauf eines Jahres kommen die Bilder wieder nach Innsbruck zurück und werden zusammen mit den Fotos der mobilen Ausstellungsorte einen längeren Zeitraum in einer Galerie ausgestellt. Den Abschluss der Ausstellungsreihe bildet eine fröhliche Finissage.

Fotobuch – Fotografische und Sprachliche Reflexionen

Bewusst werden die eigenen „Stand-Punkte“ der Themen des Projektteams – markiert durch den jeweiligen GegenStand – geöffnet und den BetrachterInnen übergeben. Einerseits erfolgt dies in Form der fotografischen Arbeiten, andererseits in Form der begleitenden Texte.

Inhalt
Den großformatigen Fotografien der einzelnen GegenStände werden Details des Themas als kleinere Fotografien hinzugefügt. Zusätzlich werden teilweise auch dokumentarische Schnappschüsse aus dem Entstehungskontext der GegenStände präsentiert, um in einer Metaebene die Subjektivität der Betrachtungsweise zu reflektieren.

Textperspektiven der Projektbeteiligten sowie von WissenschafterInnen, SchriftstellerInnen, PoetInnen und JournalistInnen können die verschiedenen Themenbereiche erweitern: um wissenschaftliche Kontextualisierungen, biographische oder themenbezogene literarische Beiträge, lyrische oder journalistische Texte oder auch um Reflexionen der Entstehungsweise der GegenStände.
Zugesagt haben bereits Lisa Gensluckner (Politikwissenschafterin), Eva Maria Bachinger (Autorin und Journalistin), Christine Frei (Autorin, Public Relations Managerin), Gabi Plattner (Leiterin Frauenhaus Tirol), Monika Jarosch (Juristin, Herausgeberin). Angefragt werden u.a. Barbara Hundegger, Petra Maria Kraxner, Petra Nachbaur, Max Preglau und andere.

Umfang
Geplant ist eine Publikation im A4-Querformat mit ca. 96 Seiten in Schwarz-Weiß und Farbe, mit rund 30 bis 40 großformatigen und ca. 40 kleinformatigen Fotografien bzw. Details und ca. 10 Texten.

Veröffentlichungen in Medien

Angestrebt werden außerdem regelmäßige Veröffentlichungen, wie Fotodokumentationen, Fotokolumnen oder Einzelfotos, in unterschiedlichen Kulturmedien des deutschsprachigen Raumes ebenso wie (Foto-)Beiträge, -Kommentare und -Reportagen zu einzelnen Projektthemen wie auch über das Projekt selbst in Lokal-, Regional- und bundesweiten Medien.