schau - s how, Das Bildnis eines behinderten Mannes

schau s how

Das Bildnis eines behinderten Mannes

Videoinstallation
2006 Schloss Ambrass, Innsbruck

Konzept: in Zusammenarbeit mit Petra Flieger
Kamera, Schnitt, Installation
DV Pal 16:9, monochrom
links – mitte – rechts, 3 Videos auf 3 Monitoren, jeweils 625 Sekunden lang, in Endlosschleife und ohne Ton.

Diese Installation entstand im Auftrag von TRAFO unter der Leitung von Dr. Petra Flieger und Prof.Dr. Volker Schönwiese für das Forschungsprojekt „Das Bildnis eines behinderten Mannes“ und wurde im Schloss Ambrass 2006 als Teil einer großen Ausstellung gezeigt.
Informationen zum gesamten Forschungsprojekt „Das Bildnis eines behinderten Mannes“ aus dem 16. Jhd. finden sie im BIDOK

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Ausstellungsüberblick

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Schau S How Video Installation

Was macht eine Person aus? Ein Körperteil? Ein Leib? Der Kopf? Der Blick?
Hin und zurück schauen/sehen/starren – gegenseitiger Blickkontakt auf Augenhöhe

shau s how, das Bildnis eines behinderten Mannes

Auf drei horizontal angeordneten Monitoren sind Bildausschnitte von 13 Personen zu sehen.  Die Video-Player laufen möglichst parallel an; leichte Abweichungen in der abgestimmten Sequenz der drei Videos im Loop sind Teil des Konzepts.
Die Installation eröffnet den Betrachter*innen die Möglichkeit, den sonst gesellschaftlich tabuisierten langen Blick auf eine Person zu richten.
Jeder der 3 Monitore zeigt nebeneinander einen Ausschnitt einer Person mit oder ohne Behinderung. Drei Kameras starren jeweils 40 Sekunden lang auf einen Körperteil und erzeugen damit einen bewusst indiskreten Blick.
Die gefilmte Person hält den Blick ins Objektiv, wodurch die Betrachter*in ebenso einem indiskret langen Anstarren ausgesetzt wird.
Was geschieht mit der Betrachter*in, wenn sie den langen Blick auf die – auch behinderten – Körperteile einer Person richtet und gleichzeitig deren Blick auf sich selbst spürt? Welche Wirkung entfaltet die Intimität eines anhaltenden Blickkontakts auf Augenhöhe?

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Petra Flieger

Experimentelle Film-Installation (ohne Ton) „SCHAU S HOW“ von Monika Zanolin im Rahmen der Ausstellung (2006/2007) zum Forschungsprojekt „Das Bildnis eines behinderten Mannes“ aus dem 16. Jhd.
Eine 10min-Film-Installation, in der mit 3 Monitoren über Bildausschnitte die 13 am Projekt beteiligten Personen porträtiert wurden, eine Selbst(re)präsentation der gesamten Projektgruppe in Analogie zum Bildnis des Behinderten Mannes aus dem 16. Jhd. :

Gesichter ohne Körper, Leiber ohne Kopf, einzelne Körperteile, Bildausschnitte begrenzen den Blick auf die Person als Ganzes. Die Videoinstallation nimmt den Leitgedanken des Blickes und der Dualität Geist–Körper auf. Zu sehen sind die Gesichter, die Oberkörper sowie ein jeweils individuell ausgewählter Körperteil der ProjektmitarbeiterInnen, die einzelnen Teile werden asynchron und verschoben projiziert, eine Zuordnung von Kopf zu Körper oder Körperteil ist dadurch nur sehr schwer möglich.
Was macht eine Person aus? Ein Körperteil? Ein Leib? Der Kopf? Der Blick?
Wie vermag der Blick zu berühren, wann greift er an?
Die Kamera blickt auf die Gesichter, Leiber und Körperteile der Porträtierten, die Porträtierten zeigen sich und blicken zurück.

Hier gehts zur Dokumentation des gesamten Forschungsprojekts „Das Bildnis eines behinderten Mannes“ aus dem 16. Jhd. im BIDOK

 

Seegras am Strandeswellen

lese zeichen zeichen lese

Plakat Vernissage

Fotografie – Texte – Klang
Vernissage Performance
2009 Mai 14. Fotoforum West
Konzept, Projektleitung, Organisation, Fotografie: Monika K. Zanolin.

Gefördert von der stadt|potenziale 08 des Kulturamtes Innsbrucks.

Galerie Lesezeichen Zeichenlese

ansehen

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Konzept
sehen – fotografieren – interpretieren

In der Zeit der analogen Fotografie vor 2000, galt das Bild noch als ziemlich authentischer Beweis der Realität – es dokumentierte glaubwürdig, wie ein Objekt oder eine Person im Moment des Auslösens aussah. Vor allem Pressefotografien kam ein hoher dokumentarischer Stellenwert als Abbild der Realität zu.

Obwohl jedem bewusst war und ist, dass ein Foto stets nur einen Bruchteil des sichtbaren Geschehens abbildet, konnte es in bestimmten Fällen sogar als Beweismittel vor Gericht dienen. Zeitungen verwenden Fotografien als Mittel, um ihren Bericht und ihre Interpretation eines Ereignisses zu festigen. Wir können nicht beurteilen ob im Pressefoto das eigentlich Relevantere sich ausserhalb des Ausschnitts befand, übersehen -oder gar absichtlich weggelassen wurde.

Mich interessierte im Projekt Lesezeichen Zeichenlese vor allem der ausgewählte Ausschnitt eines Gegenstandes in seiner Umgebung.

Ich dachte: Wenn eine Fotografie doch recht glaubwürdig ein Stück Wirklichkeit festhält, dann tun unsere Augen im Alltag nichts anderes. Wir glauben was wir sehen, im ständigen Hin- und Hergleiten des Blicks, der verweilt, übersieht, weiterzieht.

Wie mit Ausstechformen im Keksteig wandert mein schweifender Blick über einen Gegenstand oder eine Situation und stanzt jene Teile heraus, die mich ansprechen – die passen. Im Kopf werden sie anschließend wie ein Puzzle zusammengesetzt – es entsteht eine Art innere Bildcollage. Meine erfasste bildliche Wirklichkeit, bruchstückhaft, lückenhaft, nie vollständig.

Als Fotografin lernte ich diese Verzerrung bewußt anzuwenden um eine bestimmte Interpretation zu begünstigen.
Was rücke ich wie in den Fokus, welche Elemente spare ich aus. Welche Inhalte sollen im Bild enthalten sein, um den gewünschten Zweck der Auftraggeber*in zu erfüllen? Welche Art von Fotos kauft die Zeitung an? Welche Art von Fotografien lehne ich ab.

Ich wollte den diskreten Prozess des Auswählens und Weglassens sowie der klaren Aufnahmeperspektive sichtbar machen, mit schlichten Mitteln und unaufdringlichen Motiven aus der Natur. Ich legte eine Regel fest: Der Abstand zum Motiv soll innerhalb jeder Serie gleich sein. Alle Serien werden aus derselben rechtwinkligen Perspektive fotografiert. Der Charakter der Montage soll erhalten bleiben. Fehlende Elemente sollen für die Betrachter*in ihre Bedeutung verlieren, wenn die sichtbaren harmonisch zusammenpassen.

Meinen Blick auf das Motiv in Form einer Fotomontage gab ich an Musikerinnen weiter, die daraus eine kurze Komposition entwickelten. Auch Schriftkünstlerinnen erhielten dasselbe Bild, um einen Text zu gestalten.

Es interessierte mich, inwieweit mein schweifender Blick das Motiv fotografisch authentisch beziehungsweise inszeniert wiedergibt. Und wie das Motiv aufgenommen wird, wenn andere davon lediglich die Fotografie sehen. Was fällt den Musikerinnen und Schreibkünstlerinnen unabhängig von einnander dazu ein?
Inwieweit diese drei Blicke zusammenpassen, soll in einer Vernissage herausgefunden werden.

Ich begann, meine „fragmentierte Wahrnehmung“ fotografisch festzuhalten: In der Natur suchte ich Motive, die mich ansprachen, hielt sie in kleinen Serien fest und kombinierte ausgewählte Bilder nach meinem Gutdünken. In der fertigen Montage verschwammen teilweise benachbarte Ränder der einzelnen Fotos und fügten sich stimmig als Einheit..

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Der Prozess der Verbindung
Blicke – Wörter – Klänge

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Blicke

Sämtliche Aufnahmen der Naturdetails fotografierte ich mit derselben Brennweite aus dem rechten Winkel zur Bildebene. Die fertige Montage ließ meist offen, von welcher Seite sie betrachtet werden sollte – wo oben oder unten ist und ob links nach rechts gelesen werden muss.

Wörter

Die Schriftstellerinnen Petra Maria Kraxner, Petra Nachbaur und Erika Wimmer erhielten zwölf Montagen, auf deren Grundlage sie unabhängig voneinander etwas schreiben sollten. Auch mit den Musikerinnen durfte kein Austausch stattfinden.
Vorgegeben war eine Textlänge zwischen 100 und 700 Zeichen. Die Schriftstellerinnen bestimmten, an welcher der vier Seitenränder des Bildes ihr Text platziert werden soll.
Auf diese Weise entstanden bis zu drei verschiedene „richtige“ Ansichten der Montage, je nachdem, welchen Text man lesen wollte.

Klänge

Auch das Musik-Ensemble fem.art.core, Christine Abdel-Halim, Gabi Plattner, Tanja Schärmer und Ingrid Wild, waren eingeladen, sich die 12 Fotomontagen auf interpretative bzw. inspirative Weise anzueignen. Die einzige Vorgabe war eine maximale Dauer ihrer Komposition von jeweils 180 Sekunden. Auch sie hatten keinen Kontakt zu den Schriftstellerinnen.

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Vernissage Performance

Bei der Foto Vernissage im Fotoforum West sahen und hörten alle Beteiligten zum ersten Mal die Arbeiten der anderen. Die leise Möglichkeit eines furchtbar peinlichen Scheiterns konnte mich nicht davon abhalten, die Performance ohne jede Probe stattfinden zu lassen – um ihr die volle, ungebremste Lebendigkeit zu bewahren. Nur der Soundcheck sollte technische Pannen verhindern-

Ich erläuterte kurz meinen Plan wie ich mir die Zusammenführung ihrer Arbeiten vorgestellt hatte. Alle bekamen ein Blatt, auf dem die unregelmäßige Reihenfolge aller Musik- und Textbeiträge vermerkt war. Jede konnte ablesen, wann sie an der Reihe war, sobald ich die entsprechende Bildnummer projezierte.

Die Bilder wurden in der festgelegten Reihenfolge per Beamer hinter die Musikgruppe und den drei Lesetischchen projiziert. Der fem.art.core spielte zu jedem Bild eine Komposition, dazu lasen die drei Autorinnen ihre Texte (die Texte von Petra Nachbaur las Irene Tischler).

Weil zwischen den Schriftstellerinnen und den Musikerinnen während des Schaffens kein Dialog stattgefunden hatte und auch mein Kontakt sich auf Organisatorisches beschränkte, waren sie Performerinnen und Publikum zugleich. Erstmals wurde ihnen bewusst, wie unterschiedlich die anderen die Bilder lasen: welche Spuren sie entdeckten, welche sie übergingen, was sie ergänzten und auf welche Weise sie interpretierten.

Es wäre schön gewesen hätte das magere Budget großformatige Bilder im Meterbereich für die Ausstellung bezahlen können. Die große Projektion brachte tröstlich die Bilder besser zur Geltung als die eher mikrig wirkenden Ausstellungsbilder.

Die Aufführung verlief ohne größere Pannen, und kleinere Zwischenfälle sorgten für zusätzliche Unterhaltung

Trotz ihrer vollkommen eigenständigen Entstehung verschmolzen Texte, Klänge und Fotografien zu einer überraschend harmonischen und fesselnden Einheit, die das überfüllte Fotoforum West begeisterte.

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Bilder Texte Musik

 

eins

fem.art.core

fem.art.core

01_lesezeichen B

hinein ins werk! noch sitz ich still. schreibblättre in kollegens tonstuben da aus mir nichts fällt. naturporträts sie schmeicheln meinen augen. doch bilder öffnen niemals mir nichts dir nichts mir das hirn sie kommen direkt mir im herzen an. stock pfeile nadeln splitter > blatt kreuze bänder gitter. konturauswahl ahoi
Erika Wimmer

JU       sie brodelt sie wirft blasen sie brabbelt sie brummt vor sich hin sie zieht die alternativnahrungskette in einem schlurft durch
die blutlaufbahn eines jahrzehnts plusquamperfekt trifft futur im präsens daselbst schlüge sie luftwurzeln doch das düngemittel wurde
hinuntergespült      LI      sie panscht sie schlaucht sie strudelt vor sich hin sie beizt das puppillenschwarz aus dem schlitz ihres
verharrens präsens erahnt futur präsens jagt empfundenes plusquamperfekt die getriebenen wurzeln siffen im gully dahin      KA
Petra Maria Kraxner

01_lesezeichen

Besonders am Rande
Am Rang herber Fernkunde, pionierhaft vertragen
beschienenes Dasein vorwiegend dabei
sein im Grunde verschiedener Atem.
Natürlich kann jeder das aufnehmen:
vom Geschmack her leicht grau sogar Licht.
Richtungslinien seltsamer Codes
sekundenherzlich – jahrelang runtergekommen
ausgedehnte Rückenlagen von keinem Bild.
wenn man älter wird
Branchen Abraum, Verlassenschaften, Leafelets
Nadeln, die kein Schneider benutzen möchte
Zusatzstoffe im Wesen
Was bleibt vom Zusehen befüllter Wunsch?
Petra Nachbaur

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zwei

fem.art.core

fem.art.core

Betonmauer mit Moos und eingeritztem Graffiti

sie müssen sag ich mich ergreifen.
doch dann! im anblick striche eine schrift. die
wörter fallen mitten aus der mitte.
schreibkegeln und streichtrüben sich auf
planken holz wie holz. gebändigter beton
mag sein. das farbprofil ist konvertiert
und adam komm! die gattung > setzt sich
fort > > > drei federn ziern die grade rille.
Erika Wimmer

HA      sie ist punk ihr haar stutzt ihre brust schnürt ihr kleiderschrank schmückt sich mit einer rosaroten hundedecke attacke der
abend ist panisch      N      ein drauflosziehen lockte mit dauerultraviolettstrahlung eine sekunde später spieen schlacken- und
aschenkegel organismus einfluss mischpoke träufelten teergleich über rosa über rot über das damals ist ein ort an dem das glitzern
nicht war      N      punk und butch sie ist butch ihr haar klebt ihre stimme stutzt ihr hund spannt einen rosaroten sonnenschirm      AH
Petra Maria Kraxner

Horizontal Jahresringe zum Vermählen
von Epochen … geglimmt an den
Stab, quasi Oxidation aus Leidenschaft
Montage für Montage: Die alte Anschrift
Zeigt Furchen gibt’s beispielsweise
Schalung aus Überzeugung aus Entschlossenheit
schwache Gegend, aber nicht unendliche
Geduld paradiesisch
fern
Petra Nachbaur

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drei

fem.art.corefem.art.core

03_lesezeichen, Seegras im Fluss und Leine

diese spielerin! warf sie im ersten bild
noch blaue hölzer aus so zurrt sie sich auf
einmal fest. in jenem farbgeschluder
schwimmeiern und grasquargeln sich die
hundert tausend spiegel eines himmels.
und schwarzgrün sammelt sich der tang
ihrer bekannt schönen bucht. geh fort >
erinnerung! > > > sonst wedle ich dich ab.
Erika Wimmer

03_lesezeichen, Seegras im Fluss und Leine

Gespiegelt am xten Achtel das Quartett
in die Riemen, Wellenschliff rhythmische
Hektik, frühmorgens gewiefte Spritzer
Von verdrängter Reimbibliothek.
Schau auseinander diese Felder, dann lass zu
Die SCHLAGZAHL wie von Geisterhand
Vierer ohne Steuermann
Das ergibt diesen Facetten-Klang, soft
zerklirrt im Fenstergleichen
RAHMENLOS
als wären sie versunken
Petra Nachbaur

JA    sie lugt unter einer lampe hervor sie trägt aluminiumdose weiter nichts sie tankt aus einem nackenkrater rückengraben becken-
krug sie schläft unter einem schattendach eine kaulquappe schwimmt in ihrem gefäß sie schneidet den raum in zwei etagen sie trägt
mickey-mouse- kopfhörer weiter nichts sie suhlt über einem fingerspreizen fingerspitzen fingergleiten sie taucht in einem deckenteich es
tropft orkantief emma im innenhof regenklopfen bäumebiegen fensterdunkeln graublitzgrau ein eisbein schmilzt in ihrem bauch    NA
Petra Maria Kraxner

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vier

fem.art.corefem.art.core

04_lesezeichen, gestrandeter Seetang

MA      sie liegt bewusstlos inmitten gespaltener sonnbergkerne eine melodie malt
sich unterschenkelaufwärts stirnabwärts innenschenkeleinwärts jemand überschüttet
sie mit luft schlangen kräuseln um ihre kehle jemand schaut fern dann
lustig dann wieder fern übertönt ihr zu sich kommen     RI      sie schreckt die verknotung aus
ihren gliedern wohnt ein grelles klangwerk inne sie tiriliert sie quinkeliert ihr schrei
löscht die skizzen der lichtlosigkeit jemand bringt sauren stoff taschen tücher platz-
en in ihre faust rammt die stimme ins schloss jemand schaut hin und verfällt        TA
Petra Maria Kraxner

04_lesezeichen, gestrandeter Seetang

Als wenn’s sturmfrei heranrollen sollte
jäh benommen, vom Unwetter, wie?
Zwölf Meilen weggekanntet
Bestandsentnahme
Petra Nachbaur

04_lesezeichen, gestrandeter Seetang

vergesse alles alte hole aus nach mehr.
einzoomen oder auszoomen alleweil so.
und stechen bürsten schnäbeln wird‘s
mich ohnehin. das trockene gestrüpp auf
kretischem gebirg und nichts als steine.
sie hat die kleinen > aufgetürmt > die
großen an den rand gerollt. doch holpert
das gefährt > > > bedrohlich heult es auf.
Erika Wimmer

 

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fünf

fem.art.core fem.art.core

05_lesezeichen, strandwellenbewegtes Seegras

ein reifen dreht sich leer. die sonne glüht
herab und hitzig schnellen die gedanken.
wasser! magnetisch lasso hoch! vielleicht
ein kühles bier. das aufgewühlte meer zeh
schlingert und schaumkrönt den sand.
dort drüben weit > > der schatten jenes
fabelhaften baums. wie muss ich darben
dürsten da ich müde nach dem dorfe > >.
Erika Wimmer

NA      sonst sagt sie meist nichts ihre maskierung trägt das label nonchalance einst stapelte sie schmutz
staub sudeleien bis ihr der schmelzmond februa das sammelwerk in einem tusch verheerte sie starb und spros
als nigelnagel      N      sie ist die neue reinigungsgeneration ihr synonym misses proper polar- frische sie
strahlt im straßengrau wortkarg wohlriechend wirkungsvoll ein skelett überwintert in ihrem bauch      NA
Petra Maria Kraxner

Und es ist nicht so kalt, wie es fließt,
und im Overall ans Ufer.
Wind ist hier wie wo oft dabei;
halb kann es glasig sein, halb spitzenartig:
handwerklich so wie aus seichter Gerüchte-
küche. Kein ganzer Fuß übersieht deren
Wasserfeldschnitt, wenn nicht Hockney träumte.
Schaum tritt auf
herausfordernd röchelnd …
Petra Nachbaur

 

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sechs

fem.art.core  fem.art.core

06_lesezeichen, Sand, Menschenspurenn

Leise kann ich nicht sagen
genauer gesagt nicht hören;
Es rieselt gesungen, verklungen
Pfoten griffen da rein
Auf der Schwelle des Fremden
Körnung und Spuren in den Gezeitenzonen
belichtet als vom Himmel hängend
eher meditatives Stranden
Petra Nachbaur

05_lesezeichen, Sand, Spuren

doch dort ist nichts. die bar ist zu der wirt
entschlafen. bei tropfen klopfen und
entspannen falle ich ins lila traumland.
erschöpft im sandsturm ausgepumpt. es
rette sich wer kann. pipetten zauberstäb
vermögen dies doch in den kratern nisten
teufel. und auf den > > bergen apern > >
noch mehr > > > > > gletscher leichen aus.
Erika Wimmer

KRI      sie ist die bleiernste von allen an ihr hat sich so manches geschlecht das mundfleisch wundgebissen das ist ihr
braunschweiger drei tage tot und überhaupt wird ihr das auch in den kommenden tierkreiszeichen braunschweiger sein     S
sie ist der gewählte wendepunkt eine programmatische sicherhebung sie rumort in so mancher übererläuterung un
überhaupt ist sie nach drei tagen scheinsterben seit jeher wie menschenindoktrinationsmasse wiederauferstiegen     TA
Petra Maria Kraxner

 

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sieben

fem.art.core fem.art.core

06_lesezeichen, Wasserpflanzen

DE      sie ist eine hermaphroditische hauptflüglerin die hingabe war allenfalls ein gegenstand bis schließlich die busfahrerin der linie eins
durch ihr verstoßen gegen den paragrafen sechs der beförderungsbestimmungen in dekolleté-paranoia geriet sie wurde aufgrund der
sicherheitsgefährdenden ablenkung zum fahrauftrag dezimiert      BO      durch axel-springerisches tohuwabohu avancierte sie zur be-
zaubernden yogini augenblicklich praktiziert sie die auflösung unter einem blattdach am fuße des höhenzuges das weichen des wollens      RA
Petra Maria Kraxner

die andern tun indes unschuldig grün. im
hintergrund ihr blattgelause hufgeraschle
dazu der klassisch becher gift! doch
wieder tonwertkorrektur. im stillen
lachen wir: seit jeher bergen sich die
schänder mörder trickser unter linden
grünsten zweigen. > > zum narren doch!
drei sonnen > steigen an den küsten wo.
Erika Wimmer

06_lesezeichen, Wasserpflanzen

Irritationsblättrig,
das ist wie Blicke einsammeln:
verlockendes Neuerliches
in einer Einspielung gekrönter Formengeschichte,
klassische Konstruktionselemente unbesorgt
übersetzt etwa: im Bedrängnismoment
verwachsen, enorm kalt gezackt –
optisch sogar an Federn erinnernd,
abgeschossen im Leuchten vorm Schatten recht
flatternd offenkundig grässlich vor echter Welkung
inszeniert.
Petra Nachbaur

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acht

fem.art.core fem.art.core

08 lese zeichen

MA      sie ergötzt sich an laugengetränken sie gebärt wöchentlich ein kind eine backfischbande ist
ihr untertan lippengift die munition sie ist die mutter der geschlachteten kälber sie verschifft verweste exklusiv-
gegenstände ihr netz ist ihr name saragossa sardinien rumänien kenia guatemala el salvador sammelstelle lettland
sie handelt zeitentsprechend balanceverloren hängt sie auf dem hotel-lobby-gynäkologen-hocker      RA
Petra Maria Kraxner

 

Lösende Absichten können
teilbar sein bevor es da steht
Blockbruch
da liegt
im Unwesen des momentan Wuchtigen
Unblutsvermutung, Anflechtungen
d
r
a
u
f
angezeichnet wie geblitzt
Petra Nachbaur

08_lesezeichen

bei lachs bei retsina. die bloßen füße
decken den noch warmen schiefer.
orange ist die terrasse braun die hand. sie
strichpresst farbzieht mir die zärtlich
keiten. die wange zuckt wir sinken weit
und trudeln auf dem grund der nacht. die
welt ist niemals extrahiert. die gegenwa
> > winkt langsam langsam ein > > passè.
Erika Wimmer

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neun

fem.art.core fem.art.core

09_lesezeichen

und wieder schlaf. gewaschen mit den
wassern eines traums. so schlingert alles
überflüssige dahin. die dinge tauchen
hoch zuletzt die einmal waren. volk
sammeln sich blauschwärmen aus ein
letztes mal. danach ist ebene gelöscht.
ein stöckchen schwimmt > > im mondlicht
fort > > > fischottern drehen sich im kreis.
Erika Wimmer

Rascheln:
In günstiger Gelegenheit
Assoziationen wirken arrangiert
Wie künstlich angeordnet
Verdecken wie Stoffe, diese KATE-
GORIE à la kindlichem Huschen
unvermutet verkleidet wie Ophelia
treibend innerhalb von
Interpretation
Petra Nachbaur

09_lesezeichen

FRI      sie lebt in einem blauen haus es raschelt bänder fäden wurzeln
dröhnen aus dem kamin in stahl gegossene knopflöcher sie erinnert sich an
eine offene wunde krachende stangen um einen bus das klirren der fenster
scheiben bohren sich durch gehörgangslöcher sie radikalisiert ihr selbstbild
mit samtkleid stahl besticktes gipskorsett sie trennt sich von ihrem kassetten-
abspielgerät sie reißt sich die ohren aus und scheißt auf die hitlist      DA
Petra Maria Kraxner

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zehn

fem.art.core fem.art.core

07_lesezeichen, Dornen

Sind Ähnlichkeiten aus tiefer Gutgläubigkeit
defensiv ist die, wie Frisuren schwarz
ist zu auffällig mein HAIN, there where the dog
Dickicht ist angenehm verlässlich
es ist weit, es gibt Zöpfe wie Teig
spielt keine Rolle; die Dateien
verflochten als mitfeiernde Dornendrehung
Petra Nachbaur

07_lesezeichen, Dornen

AL      ja sie ist so ein koryphäenfressender busch ihre fähigkeit ist der fallenbau einfangen oder verdauen die beute sortiert sie mit abnehmender intensionstendenz in den klebefallen klappfallen saugefallen sitzen die zwei gustavs sowie manch anderer eindringungsanwärter mit aussicht auf trauschein ohne namensmitnahme fest einen halben weltkrieg später fällt franz in die fallgrubenfalle aufgrund glatter innenwände und kleiner räume wird kein entkommen angenommen schlimmeres gilt für oskar er bleibt in der erheblich komplizierter konstruierten reusenfalle hängen so eine pinselstichige patsche aber auch      MA
Petra Maria Kraxner

07_lesezeichen, Dornen

es dörrt. es grieselt unter tag es staubt
ein muster. der brand im körper ist enorm
ob all dem braun gewurl. millionen käfer
und skorpione laufen. beerkupfern und
heckstarren auf. viel rot > > > am rand
gesammelt kündet mit auswahlrechteck
oder pinsel den schmerz das blut mir an.
> > es klingt wie kleben > nicht wie leben.
Erika Wimmer

________________

 elf

fem.art.core fem.art.core

10 lese zeichen

NO      sie ist jupiters sekretärin sie kocht keinen kaffee sie teilt zu teilt aus teilt ein sie kocht keinen tee
keinen kakao keinen espresso zwischen zwölf und zwei raucht das archiv auf das sie achthabt später wird höhere gewalt
zu energiegetränken gesponnen eiswasser saccharose glucose guaraná taurin es sind ausschließlich synthetische farb-
aroma- mineral- süßstoffe zugelassen sie hand sie habt sie handelt sie raubt stephen kings schlaf        NA
Petra Maria Kraxner

nun ihr delirium ist’s nicht meins. sie ist
es die bei griechen haust nicht ich. wie
soll man es? mehr vertikal kopfüber oder
platt gelegt? egal. die farben schimmern
ohne alles und wie blank die lust. sie
nassflockt glaspumpt sich > > doch nie
umsonst. die lacke mögen sich entleeren
ein junger mann sitzt dennoch an der tür.
Erika Wimmer

Vergossene Zementhimmel von der Seite:
Als wenn Luft drückte ins Zeug
Klanglos diese Schildschaften – kommen
wie dicke Luftschichten, hohes System
von Lasuren von SCHALL un
rauchrauhen daher – gegenwärtig außen
den feinen Umrissen gehorchen die
kleineren Punkte in ihrer cry
otherMalen Vergangenheit unter jetzt sichtbarem
Substanzverlust. Kampflose Erosionen
Komplex GOLDEN
All das machte ihre Zeit; vergehen
Verlaufen
Petra Nachbaur

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zwölf

fem.art.core fem.art.core

12 lese zeichen

AUS           irgendwie hat sich das hochg efühl von ihr abgewendet sie atmet aus die ämter sindnicht die schuld es ist die dürre der tage
das allmähliche dehydrieren der synapsen      T     doch das will sie sich nicht eingestehen es sind immer die behörden das amt ist
die klagezone jammerkammer weinkrampffläche formulare sind keine freunde             I            da wird sie nicht drum herum kommen
scharfsinn schützt vor sozialinstanz nicht von wegen ganz im gege nteiles bleibt ein entwässertes etwas zurück kapseln bestickt     NA .
Petra Maria Kraxner

 

 

12 lese zeichen

Wenn die Käfer die richtige Stunde einlösen
dann löschen sie die Lichtungen.
Verblühen im Kreislauf ist MODERN
Mikroben sehe ich sicher keine, wenn ich bohre
Kerne, ich wollte sie nicht zählen:
auch wird Zucker gespalten
in corpore insano antizipierend
hinter die Flächen: Melancholie
a
u
c
h
Oszillation kann ich verstehen.
Die Woche hat ihre Gärten vergessen –
Coupons könnten darunter liegen
Petra Nachbaur

apfel rose zwei drei beeren. das hand
werkzeug und > der geruch von erde. ich
hab die schuhe an ich will jetzt gehn. das
bild im spiegel sagt mir nichts. ich kehr zu
nummer eins dreh eifrig meine scheiben.
zierflechte einen teppich dreier kunst
gedanken. fruchtpunkte euch die sprache.
aus der affäre > > > glücklich raus mit mir!
Erika Wimmer

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Fragmentarium ohne Fixstern

Fragmentarium ohne Fixstern


1997 Innsbruck, Autonomes Frauen-Lesben Zentrum
S-VHS Ausschnitte, 3 Min. der 10 Minuten Lichtbildinstallation.

Thema: Sexualität und Identität

Ein Gemeinschaftsprojekt mit Angela Zwettler.
Angela Zwettler griff das Thema Sexualität und Identität über eine skulpturale Figur und Bildkollagen auf, während ich durch verschiedene Lichtbildprojektionen die Frage stellte, inwiefern Fotografien hetero- oder homosexueller Frauen einen sichtbaren Hinweis ihrer sexuellen Orientierung und Identität erkennen lässt.

Sexualität: „Schlangenbiss im Fischmund

Skulpturen aus Papiermaschee, Holz, Gips, Spachtelmasse, Band mit Andre Hellers Text: Misstraue der Idylle, sie ist ein Mörderstück – Schlägst du dich auf ihre Seite, schlägt sie dich zurück!

Identität und Sexualität: Personal Identity ohne Fixstern

Lichtbild Installation (Fragmentarium ohne Fixstern)
Super 8, Video 8, S-VHS, Dias, Diaprojektor, Super8 Projektor, Beamer, Plexiglas mit Diastreifen, Sofa, Bilderrahmen, Leinwand, Taschenlampe, Nylonfäden, Geräusche der Projektionsgeräte.

Beschreibung der Installation

Die Installation bespielte über einen Zeitraum von ungefähr zehn Minuten eine weiße Wand, ein weißes Sofa, einen Bilderrahmen mit weißen Flächen auf beiden Seiten, eine Leinwand sowie Zwettlers Figur und Bilder.
Serielle Fotografien von 18 Frauen und ein Film am Sofa wurden im Rhythmus der Betriebsgeräusche der Projektoren in unterschiedlich schneller Abfolge auf die Projektionsflächen geworfen.
Die laufenden Projektionsgeräte – Diaprojektor, Video-Beamer und Super-8-Projektor – erzeugten eine aufdringliche Geräuschkulisse, die an eine Produktionsmaschine in einer Fabrik erinnerte.

Die Performance der Lichtinstallation begann mit dem Loslassen des Bilderrahmens, der an zwei Nylonfäden hing, die zuvor von Hand eingedreht wurden. Anschließend wurde die Taschenlampe an ihrem langen Faden hochgehalten und damit in eine pendelnde, regelmäßige Bewegung gebracht. Ihr Lichtstrahl beleuchtete kurz die Plexiglastafel mit allen Fotografien der Frauen und die dunkleren Bereiche der Installation wie ein schwenkender Überwachungsscheinwerfer.
Dann wurden die Projektoren eingeschaltet und alle weißen Flächen bespielt; das Sofa, die Leinwand und den Bilderrahmen. Der Bilderrahmen verzerrte beim Drehen die Lichtbilder. Vom eigenen Schwung seiner anfangs schnellen Kreisbewegung wechselte er mehrmals in die Gegenrichtung, bis er allmählich verlangsamte und nach ungefähr 10 Minuten stillstand – zugleich das Ende der Performance. Das Bildmaterial der Projektoren lief zeitversetzt aus und endete jeweils leise geworden als weiße Lichtfläche.

Die begehbare Installation war so angelegt, dass jeweils nur ein Teil der Projektionen sowie eine bestimmte Perspektive auf die Figur wahrgenommen werden konnte.