Video Dokumentation, DV 4:3, 70 Minuten, Innsbruck 2003
Auftraggeber: Verein Tafie, Tiroler Arbeitskreis für integrative Entwicklung.
„Weil eine Trommel geigt nicht“ ist ein integratives Projekt
von und mit Menschen mit mehr oder weniger Behinderungen.
Kategorie: allgemein
Konzept lesezeichen zeichenlese
Konzept: sehen – fotografieren – interpretieren
Am Projekt „Lesezeichen Zeichenlese“ interessierten mich zunächst der ausgewählte Bildausschnitt des Motivs in seiner Umgebung als erster Schritt der „Bearbeitung“ sowie in einem zweiten Schritt die Kontextualisierung der fertigen Fotografie.
In der Zeit der analogen Fotografie vor 2000, galt das Bild noch als ziemlich authentischer Beweis der Realität – es dokumentierte glaubwürdig, wie ein Objekt oder eine Person im Moment des Auslösens aussah. Vor allem Pressefotos kam ein hoher dokumentarischer Stellenwert als Abbild der Realität zu. Manipulationen waren handwerklich schwierig und zeitaufwändig. KI erledigt das heutzutage mit einem Klick.
Obwohl jedem bewusst war und ist, dass ein Foto stets nur einen Bruchteil des sichtbaren Geschehens abbildet, konnte es in bestimmten Fällen sogar als Beweismittel vor Gericht dienen. Zeitungen und andere Medien verwenden nach wie vor Fotografien als Mittel, um ihre Interpretation eines Ereignisses zu festigen. Wir können nicht beurteilen, ob im Pressefoto das eigentlich Relevantere sich außerhalb des Ausschnitts befand, etwas Bestimmtes übersehen oder gar absichtlich weggelassen wurde.
Ich dachte: Wenn eine Fotografie doch noch immer recht glaubwürdig ein Stück Wirklichkeit festhält, spiegelt es vielleicht unsere Wahrnehmung im Alltag. Im ständigen Hin- und Hergleiten des Blicks, der verweilt und weiterzieht, vermittelt er uns eine gewisse wirkliche Gesamtheit. All jenes, das wir bewusst oder aus Unaufmerksamkeit übersehen, ist im Augenblick das Unbedeutendere. Sonst würden wir es ja beachten.
Wie Ausstechformen am Keksteig wandert der schweifende Blick über einen Gegenstand oder eine Situation und stanzt jene Teile heraus, die ansprechen – die passen. Im Kopf werden sie anschließend wie ein Puzzle zusammengesetzt – es entsteht eine Art innere Bildcollage. Ein eigenes Bild der Wirklichkeit, bruchstückhaft, lückenhaft, nie vollständig.
Als Fotografin lernte ich diese Verzerrung bewusst anzuwenden, um eine bestimmte Interpretation der Fotografie zu begünstigen:
Was rücke ich wie in den Fokus, welche Elemente spare ich aus? Was für Inhalte sollen im Bild enthalten sein, um den gewünschten Zweck der Auftraggeber*in zu erfüllen? Welche Art von Fotos kauft die Zeitung an? Warum lehne ich bestimmte Fotoaufträge ab.
Ich wollte die Lenkung der Interpretation über die Aufnahmeperspektive, dem Auswählen und Weglassen von Bildteilen mit diesem Projekt sichtbar machen. Das Pressefoto eines Ereignisses unterliegt demselben Prozess der Manipulation wie meine unverfänglichere Wahl Motive aus der Natur zu fotografieren.
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Methode
Ich definierte eine feste Regel: Jede Serie fotografiere ich aus rechtwinklig-frontaler Perspektive, mit konstantem Abstand zum Motiv und gleicher Brennweite. Der collageartige Charakter der Montage soll teilweise erkennbar sein, in der Annahme, dass die sichtbar fehlenden Elemente an Bedeutung verlieren, sobald die vorhandenen eine harmonische Einheit bilden.
Diesen fragmentierten Blick auf das Motiv in Form einer Fotomontage gab ich an Musikerinnen weiter, die daraus eine kurze Komposition entwickelten. Auch die Autorinnen erhielten dasselbe Bild, um einen Text zu gestalten.
Mich interessierte, inwieweit mein schweifender Blick das Motiv fotografisch authentisch wiedergibt oder verändert – besonders dann, wenn andere nur die von mir ausgewählten und montierten Bildausschnitte sehen. Was fällt den Musikerinnen und Schreibkünstlerinnen unabhängig voneinander dazu ein?
Inwieweit diese Blicke mit meinem Blick zusammenpassen, soll in einer Vernissage herausgefunden werden.
Sodann begann ich, meine „fragmentierte Wahrnehmung“ fotografisch festzuhalten: In der Natur suchte ich Motive, die mich ansprachen, hielt sie in kleinen Serien fest und kombinierte ausgewählte Bilder nach meinem Gutdünken. In der fertigen Montage verschwammen teilweise benachbarte Ränder der einzelnen Fotos und fügten sich stimmig als Einheit.
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Der Prozess der Verbindung
Blick – Wört – Klang
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Blick
Die fertige Montage ließ meist offen, von welcher Seite das Bild betrachtet werden sollte – wo oben oder unten ist und ob es von links nach gedreht werden soll.
Wort
Die Schriftstellerinnen Petra Maria Kraxner, Petra Nachbaur und Erika Wimmer erhielten zwölf Bild-Montagen, auf deren Grundlage sie unabhängig voneinander etwas schreiben sollten. Mit den Musikerinnen durfte ebenso kein Austausch stattfinden.
Vorgegeben war eine Textlänge zwischen 100 und 700 Zeichen. Die Schriftstellerinnen bestimmten, an welcher der vier Seitenränder des Bildes ihr Text platziert werden soll.
Auf diese Weise entstanden bis zu drei verschiedene „richtige“ Ansichten der Fotografie, je nachdem, welchen Text man lesen wollte.
Klang
Auch das Musik-Ensemble fem.art.core, Christine Abdel-Halim, Gabi Plattner, Tanja Schärmer und Ingrid Wild, waren eingeladen, sich die 12 Fotomontagen auf interpretative bzw. inspirative Weise anzueignen. Die einzige Vorgabe war die maximale Dauer ihrer Komposition von jeweils 180 Sekunden. Auch sie hatten keinen Kontakt zu den Schriftstellerinnen.
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Vernissage Performance
Die nicht unwahrscheinliche Aussicht das Projekt würde schrecklich scheitern, konnte mich nicht davon abhalten, die Performance ohne jede Probe stattfinden zu lassen – um die volle, ungebremste Lebendigkeit zu bewahren. Nur ein Soundcheck sollte technische Pannen verhindern.
Bei der Vernissage im Fotoforum West sahen und hörten alle Beteiligten zum ersten Mal die Arbeiten der anderen.
Ich erläuterte kurz meinen Plan wie ich mir die Zusammenführung ihrer Arbeiten vorgestellt hatte. Jede bekam ein Blatt, auf dem die Reihenfolge ihrer Musik- und Textbeiträge vermerkt war.
Die Bilder wurden per Beamer im Hintergrund der Musikgruppe und den drei Lesetischchen projiziert. Der fem.art.core spielte zu jedem Bild eine Komposition, dazu lasen die drei Autorinnen ihre Texte (die Texte von Petra Nachbaur las Irene Tischler).
Die beteiligten Künstlerinnen des Projekts waren Performerinnen und Publikum zugleich, weil zwischen den Schriftstellerinnen und den Musikerinnen während des Schaffens kein Dialog stattgefunden hatte.
Trotz der vollkommen eigenständigen Entstehung verschmolzen Texte, Klänge und Fotografien zu einer überraschend harmonischen und fesselnden Einheit, die erfreulicherweise das überfüllte Fotoforum West begeisterte.
Die Aufführung verlief ohne größere Pannen, kleinere Zwischenfälle sorgten für zusätzliche Unterhaltung
Es wäre schön gewesen, hätte das magere Projekt-Budget großformatige Bilder im Meterbereich für die Ausstellung bezahlen können. Die große Projektion brachte aber tröstlich die Bilder etwas besser zur Geltung als die eher mickrig wirkenden Ausstellungsbilder.
Show Fotobuch Seitenwind
Stadtbibliothek Innsbruck, September 2019
Hier blättern sie durch das Fotobuch mit originalem Design und Titel
2001 – 2016 Künstlerinnen
2011 – 2023 Digitale Portraits
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Künstlerinnen
Private Personen
Margit Bürle –Stilberatung
Die Jahrtausendwende bedeutete für jede Fotograf*in das dunkle Entwicklerlabor mit dem hellen Computermonitor zu tauschen und die analogen Kameras in die Vitrine zu stellen. Nicht nur musste man eine völlig neue, teure Ausrüstung anschaffen, sondern die Arbeit am Computer erlernen, inklusive zig Programme für die Bildbearbeitung und Administration. Fast ein neuer Beruf. Die ersten Digital-Kameras um die Nullerjahre konnten nicht mit der Qualität der analogen Kameras mithalten. Fast alle Printmedien nahmen aber nur mehr Dateien an.
Heute sehe ich persönlich keinen qualitativen Unterschied mehr, im Gegenteil. Wenn früher 800 ISO Filme auf grenzwertige 1000 ISO chemisch gepusht schon ein Riesenkorn zeigten, verrauschen digitale Aufnahmen mit 8000 ISO kaum und weisen außerdem deutlich mehr Details in Schatten und Lichter auf. Auch das „Labor“ bietet unzählige Bildbearbeitungen, die nur mehr im Ergebnis an die analoge Zeit knüpfen. Allerdings braucht man heutzutage so alle 6 Jahre einen neuen Computer und Kamera, wo früher eine Hasselblad ein Berufsleben lang deine verlässliche Kamera war.
Seit 2022 fotografiere ich mit Nikon Z7.
2011 – 2019 Private Personen
du.phantombild
Ein Theaterstück von Christine Frei
2005 Innsbruck, Kulturverein COOP.FEM.ART, Buch: Christine Frei, Regie: Margit Drexel.
Solo-Schauspiel: Eleonore Bürcher,
Musik: Kurt Drexel und Andy Mathoy,
Bühnenbild: Hans Frei
Für diese Produktion fotografierte ich das Theaterensemble und gestaltete das Video für die Hintergrundprojektion als Teil des Bühnenbildes.
Theaterensemble
Innsbruck 2005, Ensemble des Kulturvereins COOP.FEM.ART für das Theaterstück du.phantom von Christine Frei.
Hintergrundprojektion
Innsbruck 2005, Videoframes der Hintergrundprojektion des Theaterstücks du.phantombild von Christine Frei.
Literatur Hauskalender 2000
Auftraggeberin: Erika Wimmer, Literaturhaus am Inn, Innsbruck
1999 Studienverlag
52 Tiroler Autorinnen und Autoren
Analog fotografiert auf 24×36 SW Negativfilm
1999 18. Juni, Vernissage der Präsentation des Kalenders mit Foto-Ausstellung im Literaturhaus am Inn
Der Wochenkalender 2000 repräsentiert einen wichtigen Ausschnitt der Tiroler Literaturszene in Bild und Text.
jump
Die AutorInnenportraits
Alle Fotos zur Ansicht auf 3 Seiten
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Auftrag und Umsetzung
Es war mein letztes analoges Fotoprojekt auf 24×36 SW Film vor der digitalen Wende um 2000.
Frau Erika Wimmer vom Literaturhaus gab mir eine Liste mit 52 Tiroler AutorInnen, die ich für den Wochenkalender fotografieren sollte. Sie überließ mir die volle Entscheidungsfreiheit bezüglich der Art der Aufnahmen, solange ich je einer Serie Portraits und Ganzkörper-Aufnahmen zur Auswahl liefere.
Um die Aufnahmen möglichst technisch unkompliziert und zeitsparend für die AutorInnen zu gestalten, entschied ich mich, nur mit dem vorhandenen Licht im Haus und unter freiem Himmel zu fotografieren.
Alle AutorInnen bat ich vorab einen Aufnahme-Ort zu wählen, an dem sie sich besonders wohlfühlten oder der eine besondere Bedeutung für sie hat.
Einige wenige AutorInnen planten für die Fotosession nur ein viertel Stündchen ein oder gar nur ein paar Minuten, waren wortkarg und hatten schon den bevorzugten Gesichtsausdruck parat. Da hätte auch ein Automat den Job erledigen können, also bat ich um etwas mehr Zeit, damit ich mich auf die AutorIn und den Ort einlassen konnte.
Die meisten AutorInnen hatten aber eine Stunde oder länger Zeit. So war das Shooting entspannter und auch vergnüglicher.
Die letzte Auswahl der Aufnahmen für den Kalender traf die Auftraggeberin vom Literaturhaus Erika Wimmer zusammen mit Circus Andreas Schett und Kurt Höretzeder.
Abstand
Publikation-GS
„Lesezeichen“ und „Buchstand“ fotografiert für das Fotobuch „Seitenwind“ anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Aep Frauenbibliotheke im Juni 2019 ist auch des Projektes „Gegenstand“.
Denkmal mit Frau ansehen und nachlesen:
Feministischer Aktionismus
Artikel von Agnes Czizgulsky im Stadtblatt
Romanze
Während der Videoaufnahmen für den Kurzfilm über die Einrichtungen von Frauen im Brennpunkt 2013, bemerkte ich während der Jausenzeit in der Kinderkrippe die gegenseitige Zuneigung von zwei Kindern. Mein Reporterinnenherz verleitete mich öfter als für die Dokumentation nötig, auszulösen. Mit dem Einverständnis der Eltern zeige ich diese Serie.
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